Mittwoch 18.11.2009
Zum ersten Mal seit mehr als 2 ½ Monaten ging es gestern Abend mal wieder ins Kino. Eigentlich wollten Freddi und ich „2012“ sehen, da dieser aber komplett voll war entschieden wir uns für „The boys are back“ mit Clive Owen. Ich glaube er kommt irgendwann im Februar 2010 in Deutschland raus. Er ist echt sehenswert. Im australischen Kino gibt es normalerweise keine festen Plätze so wie bei uns in Deutschland, jeder kann sich hinsetzen wo er möchte. Deswegen kommt es auch immer wieder zu Warteschlangen welche durch das halbe Kino gehen. Was es in Australien auch nicht gibt ist der Eismann, der zwischen der Werbung und dem Hauptfilm kommt. Es gibt nämlich überhaupt keine Pause zwischen der Werbung und dem Film selber.

Nachdem ich seit mehreren Tage keinen Job mehr bekommen hatte, machte ich mir eine „To-Do-Liste Sydney“ die ich an freien Tagen abhaken möchte. Da ich heute weder auf dem Bau, noch in der Hospitality einen Job ergattern konnte machte ich mich auf zur Harbour Bridge. Man kann einen dreistündigen Bridgeclimb (man klettert hoch auf die Brücke) für 180 AUD machen, aber da ich keinen festen Job habe und es auch nicht einsehen soviel Geld dafür auszugeben, lief ich eben einfach nur darüber. Es ist ein tolles Gefühl über eines DER australischen Wahrzeichen zu laufen. Von der Nordseite des Hafen hat man einen super Blick auf die Oper und die Skyline. Dieser Punkt sollte bei keinem der einmal in Sydney ist auf der To-Do Liste fehlen.

Brücke
Mein nächstes Ziel war dann der Royal Botanic Garden, der direkt an das Opernhaus grenzt. Eine grüne Oase direkt neben dem Stadtzentrum, dem Circular Quay und dem viel beschäftigten Bankenviertel „The Rocks“. Wenn man einfach mal nur im grünen Gras liegen möchte und sich die Sonne auf den Bau scheinen lassen, ist hier der perfekte Ort. Als ich durch den wirklich sehr sehr großen Park schlenderte kam ich an einigen Bäumen vorbei, die meiner Meinung nach etwas komische Blätter hatten. Als ich immer näher kam, erkannte ich, dass es gar keine Blätter sondern Fledermäuse waren. In einem bestimmten Teil des Parks hängen die Bäume nur so voll mit Fledermäusen.

Fledermäuse

Nachdem vielen Laufen bin ich einfach nur noch müde, aber heute werde ich mit dem Gefühl einschlafen einen freien Tag richtig sinnvoll genutzt zu haben. Was jedoch bleibt, ist die Tatsache, dass ich keinen Job für morgen bekommen konnte, aber es besteht immer noch die kleine Hoffnung morgen früh einen „Last Minute Call“ zu bekommen und somit doch noch zu arbeiten.

Sonntag 22.11.2009
Oh mein Buddha ist das heiß. Heute morgen bin ich für meine Verhältnisse ziemlich früh (7 Uhr) aufgewacht, weil es einfach zu heiß im Zimmer war. Der Wetterdienst hatte 36 Grad vorhergesagt, doch leider sollte er nicht recht behalten. Es wurden tatsächlich 43 Grad im Schatten, hätte ich meinen Wecker mit eingebautem Thermometer in die Sonne gestellt, wäre er wahrscheinlich geschmolzen. Die Luft ist staubtrocken und einfach nur heiß. Was kann man an einem Sonntag bei 43 Grad machen?
Die Antwort ist sehr simple: Nichts! Ich habe mich dann auf unsere Dachterrasse gelegt, weil dort wenigstens immer eine leichte Brise weht. Aber der macht bei 43 Grad auch nicht mehr viel aus. Einfach nur auf der Liege liegen und versuchen zu schlafen ist das einzig Gute was man machen kann. Man könnte auch in den TV Raum gehen und eine DVD anschauen, doch da dieser der einzige Raum im kompletten Hostel mit Klimaanlage ist, war der natürlich vollkommen überfüllt. Irgendwann hat mich dann der Hunger überfallen und da ich nichts mehr im Kühlschrank hatte, bin ich zum nächstgelegenen Thai um mir etwas essbares zu holen. Dabei musste ich zwangsläufig einige Meter durch die Sonne laufen und dabei ich habe mich gefühlt wie ein Stück Fleisch, dass mein Dad bei voller Flamme auf dem Grill legt, damit es schön kross und dunkel wird.

Sonne

Doch was gibt es aus den letzten Tagen zu berichten.
Nachdem ich am Donnerstag wieder keinen Job bekommen habe, rief ich, wie eigentlich jeden Tag, bei meiner Hospitality Agentur an und meinte, dass es ja nicht angehen könne, dass ich seit zwei Wochen keinen Job mehr hatte, da ich ja schließlich für meine ersten beiden Jobs ein „performance compliment“ (ist so was wie ein Lobschreiben) bekommen hatte. Man tröstete mich wie so oft mit den Worten, dass es momentan sehr ruhig sei, ich mich aber gedulden sollte, da jetzt dann die „hot season“ mit den ganzen Weihnachtsfeiern anfängt. Wie immer beendete ich das Telefonat mit den Worten: Ich will arbeiten, also gebt mit auch bitte Arbeit.

Doch am Freitag morgen keimte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Um neun Uhr morgens weckte mich mein Handy und Alsesaons war dran: „Wir haben einen Job für dich für heute Abend, bist du verfügbar?“ Was für eine blöde Frage, ich nerve die Jungs und Mädels dort jeden Tag, dass ich arbeiten will und zu jeder Tages und Nachtzeit verfügbar bin und dann kommt so was.
Ich bejahte natürlich und drehte mich mit einem zufriedenen lächeln im Gesicht wieder um. Keine halbe Stunde später klingelte es erneut: „ Sorry, dein Job wurde gecancelled. Falls wir noch etwas neues rein bekommen, rufen wir dir an. Bye.“ So schnell sie einem das Grinsen ins Gesicht zaubern können, so schnell können sie es einem auch wieder nehmen. Mit viel Wut im Bauch drehte ich mich wieder herum und wollte noch ein paar Stunden schlafen. Um halb elf klingelt mein Handy erneut. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht antworten, doch als ich auf meinem Display zum dritten Mal an diesem Morgen „Alseasons“ las bin ich dann doch ran. „Hi Chris, hier ist Michelle, ich habe heute Abend einen Job für dich im MLC Center. Willst du ihn haben?“. Ohne jegliches Kommentar sagt ich einfach nur „Ja. Dankeschön“ und legte auf. Glücklicherweise bekam ich keinen vierten Anruf und so machte mich um 17 Uhr auf zum MLC Center. In meiner Email stand, dass es ein Drei-Gänge-Menü sein sollte. Als ich im „Moonshaddow“ ankam, erklärte uns John bei der Einweisung, dass es sich um eine Cocktailparty mit kleinen Häppchen handelte. Ist ja fast das gleiche. Der Abend verlief einwandfrei bis auf die Tatsache, dass wir auch draußen herumlaufen mussten und es abends um sieben immer noch um die 28 Grad hatte und wir natürlich unsere „full uniform“ tragen mussten.
Vollkommen verschwitzt, aber mit einem guten Gefühl, endlich wieder einmal gearbeitet zu haben, ging es wieder zurück nach Glebe.

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Wir haben es jetzt 21 Uhr abends. Die Sonne ist schon untergegangen, doch mein Wecker zeigt immer noch 33 Grad an. Einfach unglaublich. Hoffentlich kann ich später bei der Hitze überhaupt einschlafen. Wenn nicht, dann schlafe ich morgen den ganzen Tag, weil, welch Wunder, ich bin morgen zur Abwechslung wiedereinmal joblos.

Bis dann.

Euer
Chris