Hallo meinen lieben Blog-Leser,
Wie ihr alle gemerkt habt, habe ich in letzter Zeit meinen Blog wieder etwas vernachlässigt, wofür ich mich hier erst einmal entschuldigen möchte. Es ist einfach immer was los gewesen und ich habe keine Zeit gefunden, neue Berichte zu schreiben. Aufgrund der großen zeitlichen Spanne zwischen dem letzten Bericht und dem jetzigen Datum habe ich mich entschieden die Highlights vom Dezember in einem Bericht zusammen zu fassen. Und nach dem „Dezember“-Bericht kommt auch schon Neujahr und dann könnt ihr euch auf Berichte aus Neuseeland freuen.
Bitte lasst mich via Kommentare oder E-Mail wissen, wer den alles mein Blog liest, damit ich einen kleinen Überblick habe, wen es so interessiert was ich mache.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und nochmals sorry für die lange Wartezeit.

Euer Chris

Sydney. Glebe (11.-13. Woche): Die Filmpremiere, Guantanamo Bay, Süddeutsche Kochschule für Nordlichter, Weihnachten in kurzen Hosen und eine spontane Idee.

Donnerstag 10.12.2009 Die Filmpremiere
Nach einem wie immer anstrengendem Tag auf dem Bau mit 8h in der knallen Sonne ging es nach einer wohltuenden Dusche in voller Uniform in Richtung des „Event-Cinema“ in der George-Street. Die Email von Alseasons war wie so oft nicht gerade hilfreich, was meine Aufgaben dort betreffen würde. „Movie Premiere, good waiter in full uniform“ (Filmpremiere, guter Kellner in kompletter Uniform). Ich dachte mir, dass es wohl so ein kleiner Event sein wird, bei dem normale Leute sich eine Filmpremiere anschauen und ich vorher Gläser mit alkoholischem Bubbelwasser unter die Leute bringe.Doch ich sollte mich richtig täuschen.
Als ich am Kino ankam, standen erst einmal drei Polizisten vor dem Eingang und bauten eine Absperrung auf. Daneben verlegten Arbeiter einen großen roten Teppich. „Für was verlegen die hier einen roten Teppich? Was soll das den bringen?“ dachte ich mir so im Stillen. Als ich dann weiter lief und vor einem großen Schrank im schwarzen Anzug und mit schwarzer Krawatte stand, der mich fragte wo ich den hin wolle, war mir endgültig klar, dass es sich hier um keine kleine normale Premiere handeln würde. Als ich den ersten Security-Check überstanden habe, lief ich über den roten Teppich zu einer Rolltreppe, die mich hoch in eine Lounge brachte. Vor der Lounge wurde ich wieder auf Bomben durchsucht, bevor ich endlich einen Freischein mit freiem Zugang bekam.
Was war also hier los? Es handelte sich natürlich nicht um eine einfache Filmpremiere sondern um die Australien Premiere von Peter Jackson’s (Herr der Ringe Director) neuem Film „The Lovely Bones“ mit Mark Wahlberg, Susan Sarandon,….
Als auch die anderen drei von Alseaons eintrafen bekamen wir eine Einweisung wie der Abend ablaufen sollte. Ab 18:15 Uhr kommen einige Leute, die am Film mitgearbeitet haben wie Cutter, Maskenbildner, etc. und bekanntere Gäste. Um 18:45 Uhr werden dann die VIP Gäste auf dem roten Teppich und um 19:30 Uhr in der Lounge erwartet, aber keiner weis, wer sich darunter befinden würde. Unser Job war es, die Gäste mit kleinen Häppchen zu versorgen und später dann die VIP’s. Soweit so gut.
Die ganze Zeit über spekulierten wir natürlich aufs Äußerste, wer sich unter den VIP’s verbergen würde. Um 19 Uhr war noch kein VIP in Sicht und unsere Freue endlich mal eine Hollywoodgröße in Natura zu sehen ging Richtung null. Wir waren kurz davor die Gäste unter denen auch die kleine Schwester und die Omi der Hauptdarstellerin war als dann gegen 19:30 Uhr der Anruf kam, dass die VIP’s auf dem roten Teppich angekommen sind. Leider hatten wir keine Sicht auf den roten Teppich und somit mussten wir uns weiterhin in Geduld üben. Gegen 20:30 Uhr (also 1h zu spät) kamen dann Peter Jackson und Susan Sarandon in den abgetrennten Bereich der Lounge. Leider war Mark Wahlberg nicht dabei, aber allein diese zwei Sternchen einmal live zu sehen war schon ein mega Erlebnis. Nach einer weiteren halbe Stunde gingen alle Gäste in den Filmsaal und alles war vorbei. Den Abend verbrachten Claudia und ich mit einem mega Grinsen im Gesicht bei einer lecken Pizza im „Three Wise Monkeys“.

Dienstag 15.12.2009 Guantamo Bay
Heute war mein letzter Arbeitstag auf der Baustelle in Cremorne zu Ende.
Die letzten zwei Tage hatten es wirklich in sich. Während ich in den letzten zwei Wochen noch die „Steinsaubermach-Maschine“ hatte durfte ich gestern und heute den ganzen Mörtel von Hand, bzw. mit der Hand abmachen. So saß ich also 8h bei 35 Grad im Schatten in der Sonne auf einer Getränkekiste und klopfte, haute und schabte den alten Mörtel von Backsteinen ab. Jetzt habe ich eine ungefähre Ahnung wie man sich als Gefangener im Steinbruch oder in Guantanamo Bay fühlen muss. Die Arbeit auf dem Bau hat in gewisser Weise schon Spaß gemacht aber vor allem das Steine sauber machen ist eine Arbeit wo man einfach den Kopf ausschalten kann und nur die Muskeln arbeiten lässt. Zum Glück genehmigte mir Mike während der ganzen Zeit meinem MP3 Player zu lauschen, weil ich sonst echt vollkommen verrückt im Kopf geworden wäre. Was macht man nicht alles um seine Reisekasse aufzubessern. Insgesamt habe ich mit jeweils wechselnden Partnern an der Maschine und von Hand 8357 Backsteine (Ja, ich musste sie auch noch zählen) von Mörtel befreit. Ich kann jetzt keine roten Backsteine mehr sehen. Also wenn einer von euch auf die Idee kommen sollte ein Haus mit roten Backsteinen zu bauen, braucht ihr mich gar nicht erst fragen, ob ich helfen kann.

Freitag 18.12.2009 Süddeutsche Kochschule für Nordlichter
Da die Busfahrer in Sydney ausgerechnet heute streiken mussten, durfte ich erst einmal heute Morgen im Dauerregen eine halbe Stunde bis zur Central Station laufen. Nach einer Taxifahrt, bei der ich wieder knallhart mit der deutschen Geschichte konfrontiert wurde kam ich am Northshore Campus der UTS an. Der Job war anstrengend aber es gab wie immer super leckeres und nicht gerade billiges Essen. Auf dem Rückweg nach Glebe kaufte ich dann noch ein paar Sache ein und machte mich nach einer Dusche auf den 55 Schritte langen Weg in die Wohnung von Caro, Lisa und Jens.
Caro und Lisa, zwei super liebe und nette Mädels aus Hamburg, hatte ich ein paar Wochen zuvor im Hostel kennen gelernt und ich hatte mit ihnen ausgemacht, dass ich Käsespätzle mit Röstzwiebeln für sie machen würde. Da Hamburger nicht unbedingt von Geburt an lernen wie man Spätzle selber macht, stand Lisa die ganze Zeit neben mir mit einem Block in der Hand schrieb fein säuberlich auf, wie diese süddeutsche Delikatesse zubereitet wird. Ganz besonders faszinieren fanden sie das Schaben vom Brett und ich muss sagen, dass sie sich echt nicht blöd angestellt haben. Ich lasse einfach die glücklichen Mienen auf den Bildern sprechen. So blöd der Tag angefangen hatte so toll endete er. Mit super leckeren Käsespätzle mit Röstzwiebeln und super netten Gesellschaft. Fazit des Abends: Ich habe drei Nordlichtern beigebracht wie man selber frische Spätzle macht. Ich bin stolz auf mich.

Donnerstag 24.12.2009 Weihnachten in kurzen Hosen

Wie ist so das erste Weihnachten weg von daheim, am anderen Ende der Welt und bei sommerlichen Temperaturen?
Diese Frage lässt sich mit einem Wort beantworten: Komisch.
Während der letzten Wochen war schon alles in Sydney weihnachtlich geschmückt und in den Einkaufszentren summten Weihnachtslieder durch die Lautsprecher. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das auch bei solchen Sachen wie Weihnachten. Ich bin vor allem Kälte in der Weihnachtszeit gewohnt und wie soll ich da bei 30 Grad in Stimmung kommen. Weihnachten ist für mich einfach nicht in kurzen Shorts und T-Shirt im Hochsommer sondern mit Wollmütze bewaffnet frierend auf dem Weihnachtsmarkt.
Es klingt traurig, aber dieses Weihnachten war irgendwie kein richtiges Weihnachten für mich. Das einzige was mich ein bisschen an Weihnachten erinnert waren die original deutschen Lebkuchen und Dominosteine vom Aldi, aber selbst die lassen die Wärme nicht verschwinden.
Ich hatte einen wirklich schönen Tag. Tanja, Norman und ich waren einkaufen und hatten dann ein Drei-Gänge Menü, welches aus Krabben mit Knoblauch und Sesamkörnern, Tomaten-Mozzarella-Basilikum Salat und schließlich einem Hähnchen das für 5h mit Kräutern und Gemüse im Ofen schmorte, bestand. Von Norman habe ich einen kleinen Helikopter zum selber fliegen bekommen, voll toll. Abends gingen Tanja und ich dann noch zum Darling Harbour und zum Circular Quay und genossen einfach nur das weihnachtlich geschmückte Sydney.
Es war wirklich ein schöner Tag, aber kein Weihachten wie ich es gewohnt bin. Klar ist es toll, Weihnachten bei 30 Grad zu verbringen und mit Sommerklamotten herumzulaufen, aber für ist Weihachten einfach kalt.

Montag 28.12.2009 Die spontane Idee
Von Neuseeland habe ich während meine bisherigen Reise nur Gutes gehört und ursprünglich stand es überhaupt nicht auf meinem Reiseplan, doch irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich gegen Ende meiner Reise, also im Juni noch für so einen Monat nach Neuseeland fliege. Als ich Norman davon erzählte, erinnerte er mich daran, dass wir auf der südlichen Erdhalbkugel befinden und dem entsprechend die Jahreszeiten genau umgedreht sind, heißt Winter= Sommer und Sommer = Winter. Was nun? Weil eigentlich wollte ich Neuseeland schon gerne grün und im Sommer erleben. Aus Spaß schaute ich dann einfach nach Flügen und fande auch einen relativ billigen Flug am 1.1.2010 nach Auckland. Warum eigentlich nicht? Kurz überlegt und schon war der Flug gebucht. Somit fliege ich am 1.1.2010 um 8 Uhr morgens mit Emirates auf die Kiwiinsel und werde wieder am 15.2.2010 nach Sydney zurückkehren. Somit ist mein kompletter Reiseplan aufgrund einer spontanen Idee über den Haufen geworfen. Jetzt feiere ich noch Silvester in Sydney und dann geht es auch schon ohne einen noch so kleinen Plan ins Abenteuer „Neuseeland“.

Bis dann.

Euer
Chris