Sonntag 03.01.2010
Wie so oft wollte ich meinen Wecker gestern morgen einfach nur gegen die Wand schmeißen. Ich hatte Mittags zu viel geschlafen und so kam ich diese Nacht auf ca.5h Schlaf. Ich setzte meinen Rucksack, der im übrigen 16,5 Kilo wiegt, auf und machte mich dann zum Busterminal am Skytower auf. Ich setze mich neben einen freundlich aussehenden älteren Mann und hatte eigentlich vor die vier Stunden Busfahrt zu nutzen, um meinen Akku wieder ein wenig aufzuladen. Doch irgendwie kam ich mit Garry ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er ein pensionierte Chirurg aus Neuseeland ist, also ein echter Kiwi. Da ich bis dato noch keinen Plan hatte, was ich alles in Neuseeland sehen möchte und wo die besten Plätze sind, fragte ich ihn komplett aus. Zusammen fertigten wir eine sehr sehr grobe Route für meine kommenden sechs Wochen an. Als ich dann in Paihia ankam wehte mir eine leichte Brise um die Nase und die Sonne schien mollig warm auf meine Haut. Nachdem es dieses Mal keine Komplikationen mit meinen Bett gab, ging es natürlich als erstes an den Strand.
Wieder zurück im Hostel lerne ich meine neue Zimmergenossen kennen. Meine Bettnachbarinnen waren Julieta und Eliana, zwei Argentinierinnen aus Buenos Aires, die schon seit zwei Jahren durch die Welt reisen und immer wieder halt machen um zu arbeiten. Momentan arbeiten sie als Putzfrauen in einem nahe liegenden Hotel. Im Zimmer waren außerdem zwei Kanadier, ein Kiwi und ein deutsches Pärchen.

Heute schlief ich dann erstmal aus und verbrachte den Tag mit Lesen und dann wieder schlafen. Als ich um 16 Uhr wieder aufwachte machte ich mich an den Strand, wo heute ein Sandskulpturen- Wettbewerb stattfand. Die Meisterwerke gingen von Neuseeland, einem VW, einer Meerjungfrau die TV schaut über eine Schwanenfamilie, einem Hai, bis hin zu einem Maorikanu. So richtig konnte ich mich nicht entscheiden, welches mein persönlicher Favorit ist.

Montag 04.01.2010
Juhu, ich bin endlich weltweit volljährig. Für diesen Tag hatte ich mir etwas ganz besonderes ausgedacht. Ich habe mir selber zu meinem 21. einen Skydive (Fallschirm-Tandem-Sprung) in den Bay of Islands geschenkt. Schon seit ewigen Zeit wollte ich es machen, aber vor allem die immensen Preise haben mich davon abgehalten es in Deutschland zu machen.
Ich wachte also so gegen neun Uhr auf und schaute aus dem Fenster. Regen. Das kann doch nicht wahr sein. Seit Oktober hat es hier nicht mehr geregnet und dann ausgerechnet an meinem 21. Gebrutstag muss diese Sonnenperiode reisen? Na toll. Naja vielleicht springen sie ja doch. Nach einem sprungverträglichen Frühstück, welches aus einem Becher Yoghurt, einer Schale Müsli, einem Stück Sonnenblumenkernbrot und einem Ü-Ei bestand machte ich mich fertig und stelle mich an die Straße vor das Hostel, wo man mich um 11:30 Uhr zum Sprung abholen sollte. Um 12:10 Uhr rief ich dann dort an und frage wo meine Abholung bliebe. „Es tut uns Leid, aber das Wetter ist viel zu schlecht zum Spingen. Ruf so um drei Uhr nochmal an, vielleicht hat es sich bis dahin ja etwas verbessert.“ Super, meine ganze Vorfreude war dahin. Ich sollte also doch nicht den Sprung in mein neues Lebensjahr machen können. Aus Frust und weil ich Hunger hatte, ging in ins „Alfrescos“, wo ich mir ein Knoblauchbrot und dann einen weltklasse „Nudelsalat“ genehmigte. Es waren Risini mit frischen Tomaten, Paprika und Gurken, dazu eine super leckere Zitronen-Limonen-irgendwas Soße und frisch gebratene Lammstückchen rundeten das Mahl ab.
Da ich nicht wusste was ich mit der Zeit anzufangen las ich eine Runde bis es endlich 15 Uhr war und ich bei meiner Skydivefirma anrufen konnte. Das Wetter hatte sich nicht gerade gebessert, es hatte aufgehört zu regnen, aber der Himmel war immer noch voller Wolken und kein einziger Sonnenschein konnte bis zu mir durchdringen.

„Hi hier ist Paul, was kann ich für dich tun?“
„Ich wollte fragen, ob ich heute springen kann, eigentlich hätte ich heute Mittag um 12 Uhr springen sollen, da war aber das Wetter zu schlecht“
„Sorry, aber das Wetter ist immer noch viel zu schlecht für einen Sprung. Wie sieht es bei dir morgen aus.?“
„Morgen habe ich schon eine Tour gebucht und am Mittwoch reise ich schon weiter.“
„Okay.Wir springen bis Sonnenuntergang, also ruf einfach um sechs Uhr nochmal an. Vielleicht können wir dich dann heute doch noch hochbringen.“

Jetzt war auch mein letzter Funken Hoffnung heute noch springen zu können dahin.Es wird schon seinen Grund haben, warum ich nicht springen kann. Ich habe mir alles schon so schön ausgedacht. An meinem 21. Geburtstag wollte ich endlich einen Fallschirmsprung machen und ihn somit zu etwas ganz besonderen machen. Doch Petrus war irgendwie nicht mit meinem Plan einverstanden.

Ich wartete dann auf die Mädels, weil sie beschlossen hatten meine „Geburtstagsparty“ zu organisieren. Wir gingen einkaufen und fingen dann an den Teig für die Pizza zu machen. Zum Glück habe ich diese zwei getroffen, sonst wäre mein Geburtstag in Neuseeland nichts besonderes gewesen. Ich weiß nicht was mich dazu trieb noch einmal bei der Firma anzurufen. Vielleicht war es einfach die winzige Chance die ich einfach nutzen wollte. Ich rief also nochmal bei „NZ Skydive“ an, aber eigentlich hatte ich überhaupt keinen Funken Hoffnung mehr heute noch zu springen.
„ Wir könnten dich in 15 Minuten abholen wenn du willst.“
„Ist das dein Ernst?“
„Ja, es macht gerade auf und wir könnten so in einer Stunde springen.“
„Holt mich ab, ich bin bereit.“

Ich strahlte nicht wie ein Honigkuchenpferd, ich strahlte wie ein ganzes Atomkraftwerk. Ich zog mich also um, verabschiedete mich von den Mädels und stellte mich wieder an die Straße. Dieses Mal tauchte ein Pick up Truck auf, der mich dann zum „Flugfeld“ brachte. Ich weiß nicht, ob es das Wort Flugfeld verdient, es war einfach ein Acker mit einer Windfahne und einem kleinen Gartenhäuschen.

Ich schlüpfte also in einen blau-violetten Overall und füllte das Formular aus. Nachdem ich ein großes Kreuz im Kästchen „Ja, ich bin mir bewusst, dass Skydiven eine Sportart mit enormem Risiko ist und ich sie auf mein eigenes Risiko ausübe.“ begann die „Einweisung“.
Die „Einweisung“ dauerte nicht einmal fünf Minuten. Gurte festhalten, Kopf nach hinten und locker bleiben, das waren die einzigen Anweisungen die mich mir zu merken hatte.
Schon ging es in das kleine Flugzeug in dem nicht mehr als vier Personen plus Pilot platz hatten. Ich habe keine Ahnung ob es eine normale Reaktion ist, aber je höher wir kamen, desto breiter wurde mein grinsen. Es war keine Anspannung zu spüren nur die reine Vorfreude, dass sich mein Wunsch doch noch erfüllen sollte. Die Inseln unter mir wurden immer kleiner. Ein letztes mal gingen wir die „Anweisungen“ durch. „Eine Minute noch“ sagte Paul. Kurz darauf meinte er: „Wir müssen noch warten, weil wir warten müssen bis ein anderes Flugzeug vorbei ist.“ Nach fünf Minuten war es dann endlich soweit.
Paul öffnete die Tür. Es war kalt. Erst den linken Fuß raus, dann den rechten. Der Wind war so stark, dass er mich fast aus dem Flugzeug wehte. Eins, zwei,………..

Einen Salto in der Luft und ich flog. Ich rasste mit 200km/h der Erde entgegen. Der ca.45. sekündige Freefall war durchzogen von Freudenschreien. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl. Das ich dann den Fallschirm noch selber lenken durfte war der Abschluss eines unvergesslichen Erlebnisses. Wieder auf dem Boden angekommen umgab mich erst einmal ein Wärmeschwall.

Doch der Tag war noch nicht zu Ende. Wieder im Hostel angekommen, hatten meine zwei Argentinas mir einen Schokokuchen gebacken und den Teig für die Pizza vorbereitet. Wir rollten den Teig aus, was sich ohne ein Nudelholz sehr interesannt war. Wir benutzen dann einfach eine leere Bierflasche. Die Pizza war super lecker und der „Happy B-Day Chis“-Schokokuchen (Eliana hatte das „r“ in meinem Namen vergessen, was den Kuchen noch einzigartiger machte.) war der absolut krönende Abschluss meines 21. Geburtstages.

Mittwoch 6.1.2010
Für gestern hatte ich eine Tagestour nach Cape Reinga gebucht.
Als erstes steuerte unser Bus den „90 miles beach“ an, der in Wirklichkeit aber nur 60 Meilen lang ist. (Fragt mich bitte nicht warum sie ihn dann 90miles beach nennen, ich habe keine Ahnung). Wir fuhren über eine halbe Stunde direkt am Strand entlang, da der Strand auch ein offizieller Highway ist. Da es dort richig große Sandhügel gibt, ging es erst einmal Sandboarden. Ein mega Spaß mit Bodyboards den Sand runterzubrettern. Einziger Nachteil: Danach hat man den Sand einfach überall. Nächste Station war dann Cape Reinga wo sich die Tasmanische und Pazifische See treffen und mitten auf dem Meer Wellen ergeben. Einfach eine wunderschöne Landschaft. Weitere Stationen waren dann noch ein Strand, wo wir aber zwecks zeitmangel nur 20minuten verweilen konnten und es somit nicht für eine Runde planschen langte, ein 5 Minuten Walk durch den Wald, wo wir über 2.000 Jahre alte Kauri Bäume bewundern durften und zum Abschluss ging es dann in ein reines Fish and Chips Restaurant.

Meine erste Etappe von Neuseeland ist beendet und sie war mehr als ereignisreich. Ich hätte noch viel länger hier bleiben können, vor allem wegen Eli und Juli. Die zwei Mädels sind einfach super mega lieb und man muss sie einfach gern haben. Ich habe sie richtig ins Herz geschlossen.
Das ist eben auch eine Sache mit der man sich nie anfreunden wird, aber muss: Abschied nehmen.

Momentan sitze ich im Bus hoffe irgendwann, nach 8,5h Fahrt, in Rotorua anzukommen.

Fazit und Erkenntnisse Pahia:
– Ein unvergesslicher 21. Geburtstag.
– Skydiven ist einfach nur ein mega hammer super tolles Gefühl
– Argentinier sind super nette und familiäre Menschen (zumindest die, die ich kennen gelernt habe)
– Abends spät kochen, so wie die Südamerikaner, da ist die Hostelküche entweder komplett leer oder man hat Südamerikaner/innen als Gesellschaft