Es ist schon ein komisches Gefühl nach langer Zeit wieder eine große Metropole zu erkunden. Die Anreise war auch so eine Sache für sich. Zwölf Stunden mit den Nachtbus, der bis auf den letzten Platz ausgebucht war. Hinzu kam, dass die Klimaanlage defekt war und nur warme Luft aus den Lüftungsschächten blies. Gegen Kälte kann man ja etwas tun, aber gegen Hitze hilft nur ausziehen und spätestens bei der Badehose ist dann auch Schluss.
Irgendwann kamen wir dann nach einer Nacht in der finnischen Sauna doch noch in Melbourne an.

Mittlerweile finde ich mich ziemlich schnell in neuen Städten zurecht und das öffentliche Verkehrsnetz ist nach kurzer Studie auch leicht zu bewältigen. Doch Melbourne stellte mich wieder vor eine Herausforderung. Wenn ich „City Loop“ lese, denke ich mir, okay, alle Bahnen fahren alle Stationen dieses Stadtrings ab und passieren somit alle wichtigen Knotenpunkte. Naja, wie ich schon so oft ist das logische und organisierte Denken ist Australien nicht immer richtig. Manchmal fahren die Bahnen in die eine Richtung den Cityloop und manchmal die andere. Soviel hätte ich ja auch noch verstanden, aber dann einfach Haltestellen auszulassen oder den Stadtring nur zu Hälfte zu fahren leuchtete mir dann nicht ganz ein. Genauso wenig wie das man von machen Haltestellen nicht zur nächstliegenden fahren kann, was die Karte aber eigentlich anzeigt. Ich habe wirklich versucht das System und die Logik dahinter zu verstehen, aber leider bin ich nicht fündig geworden und somit musste ich immer wieder improvisieren wenn die Bahn nicht so gefahren ist, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte.

Fast jeden Tag bin ich zu Caro gefahren oder wir haben uns in der Stadt getroffen. Es ist ein schönes Gefühl wieder einen vertrauten Menschen um sich zu haben und nicht dauernd nur die Drei-Tages-Bekanntschaften im Hostel.

Neben meinen verschiedenen Erkundungstouren in Melbourne ging ich dreimal die Woche ins Handballtraining bei „Monash“. In Sydney hatte ich ja schon einen Schock bekommen wie die Hallenverhältnisse etc. sind, aber Melbourne toppte das noch einmal. Die Halle an sich wieder ein harter alter Parkettboden und das „Handballfeld“ war höchstens 2/3 der Größe von einem normalen Feld bei uns in Deutschland. Jeder Spieler zahlt hier für jedes Training 2 Dollar. Nicht etwa um die Trainer oder Bälle zu finanzieren, sondern damit der Verein die Hallenmiete bezahlen kann. Australien ist mehr als ein Handballentwicklungsland. Wie auch schon in Sydney spielen in Melbourne fast nur Europäer. Aber hier läuft bald ein Projekt in den Schulen an, um den Sport bekannt zu machen und vielleicht schaffen es die Australier in ein paar Jahren mal auf den vorletzten Platz bei einer Handball WM und dann auch vielleicht nicht nur mit eingebürgerten Europäern sondern mit „richten“ Australiern.

Am 28.2. hab ich Romi, meine Schweizerin, die ich in Neuseeland kennen gelernt habe, wieder getroffen. Mit ihr halte ich meinen persönlichen Rekord, drei Verabredungen, drei verschiedene Städte (Pahia,Wellington,Melbourne), zwei verschiedene Länder (AUS,NZ). Wenn wir uns dann in Deutschland und der Schweiz wiedersehen, wird das ein persönlicher Rekord sein, den ich wohl nicht mehr so schnell wiederholen kann.

Weis jemand was es am Mittwoch, den 3.3.2010 zu feiern gab? Tipp: Wann habe ich meine Reise begonnen? Richtig!!! Seit genau sechs Monaten bin ich auf der Reise. Wie schnell die Zeit doch vergeht. Und an diesem Tag machte ich mich zum Albert Park auf, wo in einer guten Woche der Große Preis von Australien ausgetragen wird. Ich bin die gesamte Rennstrecke zu Fuß abgelaufen und war nur geringfügig langsamer als Sebastian Vettel in seinem Red Bull. Wenn nicht gerade die Formel 1 Fahrer ihre Boliden durch den Kurs heizen ist der Albert ein ganz normaler Park mit verschiedenen Sportanlagen, Parkplätzen, Parkuhren, usw. Ich habe ein paar interessante Fotos gemacht, z.B. steht direkt an der Boxeneinfahrt eine Parkuhr. Ich finde das schon dreist, das die armen Formel 1 Piloten für die sieben Sekunden Boxenstop eine Parkgebühr zahlen müssen.

Melbourne ist bekannt für seinen drastischen Wetterumbruch. Aber was sich am 5.3.10 abgespielt hat war einfach nur unglaublich. Morgens bin ich mit Badehose, T-Shirt und FlipFlops aus dem Hostel um eine weitere Erkundungstour durch die Stadt zu machen. Nach einem leckeren Sushimittagessen ging es dann noch zum Coles um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Als ich mich gerade auf den Weg zurück zum Hostel machen wollte fing es richtig an zu schütten. Da ich keine weiteren Termine an diesem Tag hatte, setze ich mich in ein Cafe und bestellte mir einen Tee und einen Schokomuffin. Es wird schon irgendwann aufhören zu regnen. Doch der Regen wurde immer heftiger. Dann kamen noch kleine Hagelkörner dazu. Diese Hagelkörner entwickelten sich dann von Körner zu Golfbällen und dann zu Tennisbällen. Man konnte im Einkaufszentrum sich fast nicht mehr unterhalten weil der Regen und der Hagel gegen alle Fenster und das Dach peitschte. Asterix und Obelix hatten immer Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt und ich hatte das Gefühl, dass das hier gleich in Melbourne passiert. Mittlerweile war der Boden des Einkaufszentrums komplett nass. Es lies einen mega Schlag und noch mehr Wasser kam aus der Richtung des Supermarkts. Okay, gleich fällt mir wirklich der Himmel auf den Kopf. Der Hagel und die Wassermassen hatten ein ca. 2 Quadratmeter großes Loch in das Dach des Coles gerissen. Die Straßen waren mittlerweile komplett weiß. Als es aufgehört hatte zu hageln und „nur noch“ Wasser vom Himmel kam entschied ich mich, mich auf den Heimweg zu machen. Warum? 1. Im Hostel kann ich mich in mein warmes Bett legen und den Weltuntergang vom Fenster aus betrachten 2. ist es ja nur Wasser 3. ich habe meine Badehose an und 4. kann ich schwimmen. Ich bahnte mich dann durch die Straßen auf denen das Wasser knöchel-bis kniehoch stand. Leider war es verdammt kalt und etwas zitternd erreichte ich dann das Hostel. Im Erdgeschoss stand ca. 10cm hoch das Wasser. Der Strom war ausgefallen und Leute steckten in den zwei Aufzügen fest. Ich gelang dann über das Treppenhaus in den vierten Stock, zog mir trockene Klamotten an und legte mich ins Bett. Nach guten vier Stunden ging dann plötzlich das Licht wieder an. Juhu, wir hatten wieder Strom.
Der Himmel ist mir am Ende doch nicht auf den Kopf gefallen, aber ich glaube er war kurz davor.

Gestern (8.3.10) fuhr ich dann zu Caro, die den Weltuntergang auch überlebt hatte um für unseren Roadtrip nach Adelaide einzukaufen. Das wird auch so was, drei Norddeutsche und ich in einem uralten Van. Caro kritisiert mich schon wie ganze Zeit, wenn ich auch nur ein einziges Dialektwort benutzte.
Bin mal gespannt wie das dann mit drei Norddeutschen werden soll. Morgen geht’s endlich los, mal schaun was mich da für neue Abenteuer erwarten. Solange nicht nochmal die Welt untergeht ist alles gut.

Bis dann.

Euer

Chris