Am Dienstag den 9.3.2010 um 17:30 Uhr, 4,5h nach der planmäßigen Abfahrt, startete unser Roadtrip nach Adelaide. Zu den Teilnehmer dieser Reise gehörten Caro, Michl (beide Hamburg), Patrick (Kiel) und ich. Wer schön im Erdkundeunterricht aufgepasst hat, hat jetzt schon bemerkt, das ich nur mit Nordlichtern auf die Reise ging. Da Caro mich aber in den letzten paar Wochen zum Hochdeutsch gezwungen hatte, sollte es eigentlich keine sprachlichen Barrieren geben.
Kurz nach Abfahrt merkten wir, dass unsere Blinker irgendwie verdächtig langsam blinkten. „Oh nein“ schallte es in meinem Kopf „bitte nicht schon wieder“.

Für alle die meine Lichtmaschinen-Story schon kennen dürfen diesen Absatz überspringen, alle anderen sollten ihn lesen. Eines schönen Abends im Jahre 2008 fuhr ich nach einem normalen DVD Abend mit den Jungs, Timo wieder nach Ispringen. Als ich auf die Landstraße einbog, blinkte mein Blinker nicht mit der normalen Blinkgeschwindigkeit, sondern extrem langsamer. Wir dachten uns nichts weiter dabei und fuhren weiter. Beim nächsten Abbiegen, war der Blinker noch langsamer als bei dem Mal zuvor. Plötzlich flackerten meine Scheinwerfer und keine 20 Sekunden später waren sie komplett aus. Wer die Strecke kennt, weis, das es nicht gerade eine kurvenlose ist. Als wir endlich das Ortsschild passierten und von den Straßenlaternen wieder etwas Licht bekamen, ging das Radio aus, kurze Zeit später auch der Motor. Alles tot. Alle Startversuche zum Trotz sprang mein geliebter Nissan Almera nicht mehr an. Wir schoben ihn dann die letzten 200m bis zu Timos Haus und gingen ins Bett. Was war mit meinem Auto los? Die Lichtmaschine war kaputt, d.h. die Batterie wird nicht mehr aufgeladen sondern läuft komplett leer.

Diese Geschichte spiegelte sich vor meinem geistigen Auge in dem Moment ab, als Bruno’s Blinker langsamer blinkte als er eigentlich sollte. Als es leicht zu dämmern anfing machte Michl die Scheinwerfer an und sie hatten nicht die Helligkeit, die sie eigentlich haben sollten. Klare Diagnose: Bruno ist krank. (Die Lichtmaschine ist im Eimer). Da wir nicht ohne Licht weiterfahren konnten suchten wir uns einen Parkplatz und fingen mit kochen an. Unser erstes Abendessen war der beliebte, nicht zu übertreffende, Bagpacker Klassiker: Spirelli mit Tomatensoße.

Ich hatte mich bereit erklärt auf den drei Vordersitzen zu schlafen, was sich spätestens nach der ersten Nacht als ein großer Fehler herausstellen sollte. Patrick schlief im Dach, Caro und Michl auf dem zum Bett umfunktionierten Rücksitzen. Gibt es schönere Wege morgens geweckt zu werden als von Wind und Regen der gegen das Fenster peitscht? Ja, gibt es. Gibt es schönere Dinge als morgens mit Rückenschmerzen aufzuwachen? Ja gibt es. Gibt es einen besseren Weg morgens wachzuwerden als eiskalten Wind und Regen im Gesicht zu haben? Nein, gibt es nicht.
Ziemlich müde und mit sehr kleinen Augen wurde Bruno mittels einer zweiten Batterie wiederbelebt und es ging weiter Richtung zur Great Ocean Road. Nach ein paar Besichtigungsstopps schlief ich hinten auf meinem Sitz ein. Durch mehrmaliges heftiges Ruckeln wurde ich wach. Wir fuhren rückwärts. Rückwärts? Warum zum Teufel fahren wir einen Berg rückwärts herunter. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich, das wir auf der rechten Straßenseite rollten. Wir rollten auf der falschen (rechten) Straßenseite rückwärts. Bewegten uns aber dem Verkehr entsprechend in die richtige Richtung. (Wer es nicht verstanden hat, schickt mir bitte eine Mail und ich schicke ihm dann eine Zeichnung). Michl versuchte vergeblich unzählige Kick-Starts. Als wir am Fuß des Berges ankamen stellten wir uns auf den Straßenrand und Michl baute die andere Batterie ein. Als nächstes Highlight standen dann die zwölf Apostel auf dem Plan. Danach stand, wer hätte es gedacht, Anschieben auf der Tagesordnung. Abends trafen wir dann Marie, Verena und Theresa (Freunde von Michl) die die gleiche Tour, nur in die entgegengesetzte Richtung machten. Unser Nachtlager sollte dieses Mal ein abgelegener „Parkplatz“ mitten in der Pampa sein, wo niemand anderes außer uns war.

Hier eine sehr knifflige Frage: „Was mussten wir machen, bevor an diesem Morgen los fuhren?“ Nein, keine Sonnencreme auftragen, den die Sonne hat sich hinter einer undurchdringlichen Wolkenwand versteckt. Nein, auch nicht abspülen, das kann man in mitten der Pampa ohne Wasser gar nicht. Richtig, Bruno anschieben. Da er aber etwas bockig war mussten wir ihn mit Hilfe des Vans von den Mädels ein bisschen Energie einflößen.

Als wir zur ersten Ampel seit ewigen Zeiten kamen, ging der Motor plötzlich aus. Warum, wir hatten doch gar nichts an, was Strom der Batterie verbrauchen würde. Falsch gedacht. Es gab ja immer noch das Bremslicht. Jegliches Anschieben war vergebens, Bruno war mal wieder tot. Zum Glück gab uns ein Fremder auf dem großen Parkplatz Starthilfe und Michl machte sich auf zu einer Werkstadt um eine neue Lichtmaschine zu besorgen. Nach guten drei Stunden, die Caro, Patrick und ich bei unseren Freunden mit dem goldenen M verbrachten kam Michl mit funktionierender Lichtmaschine wieder. Juhu. Jetzt kann der Roadtrip richtig losgehen. Diese Nacht verbrachten wir in einem kleinen Städtchen, das eher wie eine Geisterstadt aussah. In keinem Haus brannte Licht und alles war wie ausgestorben. An diesem Abend gab es Thai Curry. Es war nicht nur lecker sondern wärmte auch von innen, den wir alle saßen mit langer Hose, Pulli und Jacke am Tisch, weil es einfach nur verdammt kalt war.

Am 12.3. wurde ich dann von Sonnenstrahlen geweckt die sanft meine Nase kitzelten. Das erste Mal seit Beginn des Trips konnte ich meinen Pulli ausziehen. Den Tag verbrachten wir dann in den Grampions, wo unsere Haut das erste Mal seit vier Tagen wieder in Kontakt mit Wasser kam.

Samstags, nach dem ganzen Tag nur Fahren, ohne Anschieben, kamen wir glücklich in Adelaide an. Patrick und ich machten uns dann als erstes auf die Suche nach einem Hostel um dann auch mal wieder richtig zu duschen. Bisher hatte ich nie Probleme ein Bett in einer Stadt zu bekommen, bis zu diesem Zeitpunkt. Dieses Wochenende war das Ende des großen Adelaide Festivals und gleichzeitig war noch das V8 Supercar-Rennen in der Stadt. Wir haben wirklich jedes, und ich meine jedes jedes, Hostel in der Stadt abgeklappert, aber in keinem einzigen war auch nur ein Bett frei. Was nun? Wir mussten also noch einmal eine Nacht im Van schlafen. Nur wo? Offiziell ist es illegal in Australien auf einem Parkplatz zu übernachten. Wer sich jetzt denkt, „Moment mal, wo habt ihr den die vorherigen Nächte geschlafen“ denkt richtig, aber der große Unterschied war, das Adelaide eine richtige Stadt ist und hier dauernd Polizei herumfährt. Wir fuhren zum Strand und fingen an auf dem Parkplatz Essen zu kochen. Für mich gab es Kartoffeln mit Tzaziki. Am Anfang waren wir die einzigen, doch dann kamen immer mehr Autos. Am Ende des Abends waren wir sieben Autos und 25 Leute, die den Parkplatz kurzerhand zu einem Campingplatz umfunktionierten. Niemand hatte ein Hostelbett gefunden und so gründeten wir kurzerhand die „Community of homeless people“ kurz: COHP (Gemeinschaft der Obdachlosen). Die Polizei fuhr öfters vorbei, doch sagte nie etwas. Was hätten sie auch sagen sollen? Es gab kein freies Bett mehr in der Stadt.

Im Annie’s Place bekam ich am nächsten Tag dann das Angebot für freie Unterkunft zu arbeiten. Einem armen Traveller muss man da nicht zweimal fragen. Abends ging es dann mit Franciesca, Vincent und Dan (alles Mitglieder der COHP) in Alice im Wunderland. Gestern verabschiedete ich mich dann von Caro und Michl, die ihre Reise in Richtung Perth fortsetzen. Das Highlight von Adelaide war dann der gestrige Abend, als Franciesca original italienische Spaghetti Bolognese kochte. Einfach himmlisch.

Jetzt sitze ich im Hostel und warte auf mein Shuttle Bus, der mich dann zum Flughafen bringt. Mit Patrick geht es nach Alice Springs und ins Outback. Brühende Hitze und giftige Schlangen erwarten mich schon. Damit werde ich fertig, hauptsache kein Anschieben mehr.

Bis dann.

Euer

Chris